Warum Erwachsene manchmal einen Schuhwichtel brauchen
Es gibt Dinge, die auf den ersten Blick völlig unscheinbar wirken.
Ein alter Schlüsselanhänger.
Ein Stein vom Strand.
Ein Lied aus der Jugend.
Oder ein kleiner Schuhwichtel am Schnürsenkel.
Und doch schaffen genau diese Dinge etwas, das mit Vernunft kaum zu erklären ist:
Sie holen Erinnerungen zurück und lassen uns für einen Moment wieder staunen.
Vorab: Hier geht es zu den Schuhwichtel...
Wo sind eigentlich all die Indianer hin?
Kennst du das Lied „Wo sind all die Indianer hin“ von Pur?
Ich bin mit diesem Lied groß geworden. Damals habe ich über den Text kaum nachgedacht. Heute höre ich ihn mit ganz anderen Ohren. Für mich steckt darin eine Frage, die wahrscheinlich viele Erwachsene betrifft:
Wann haben wir eigentlich aufgehört, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen?
Früher war ein Wald nicht einfach nur ein Wald. Hinter jedem Baum konnte sich etwas verbergen. Ein Stock wurde zum Schwert, eine Pfütze zum Ozean und ein Spaziergang zum Abenteuer und wenn wir auf einem Baumstamm saßen, war das in Wirklichkeit ein Drache! Nicht wahr?
Heute laufen wir oft durch dieselben Wälder – und sehen nur noch den Weg vor uns. Der Kopf ist voller Termine, Verpflichtungen und Gedanken. Das Staunen ist irgendwo auf der Strecke geblieben.
Wie ein kleiner Schuhwichtel alles verändert
Als ich begann, Schuhwichtel aus Baumperlen zu schnitzen, wollte ich eigentlich nur das sichtbar machen, was ich bereits in der Baumperle sah.
Ich hatte nie das Gefühl, einen Wichtel zu erschaffen.
Für mich wohnt er bereits darin und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.
Erst später habe ich verstanden, warum diese kleinen Begleiter so viele Menschen berühren.
Nicht, weil sie magische Kräfte besitzen.
Sondern weil sie etwas in uns wecken.
Wer einen Schuhwichtel am Schnürsenkel trägt, schaut irgendwann automatisch nach unten und lächelt. Plötzlich ist da wieder dieses kleine Stück Fantasie, das im Alltag oft verloren geht.
Manchmal reicht ein einziger Blick
Ein Schuhwichtel löst keine Probleme.
Er macht keinen Zahnarzttermin angenehmer.
Er sorgt nicht dafür, dass ein Vorstellungsgespräch einfacher wird.
Und auch der Termin beim Amt verschwindet dadurch nicht.
Aber manchmal genügt ein kurzer Blick auf den kleinen Begleiter.
Ein Lächeln.
Ein tiefer Atemzug.
Ein winziger Moment, in dem man wieder bei sich selbst ankommt.
Mir geht es tatsächlich so.
Vor einem Zahnarzttermin schaue ich oft bewusst auf meinen Schuhwichtel. Nicht, weil ich glaube, dass er mir die Angst nimmt. Sondern weil er mich daran erinnert, dass es im Leben noch etwas anderes gibt als Termine, Hektik und Alltag.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl.
Manchmal braucht es gar keine großen Veränderungen.
Manchmal reicht ein kleiner Wichtel.


Warum wir Erwachsene Fantasie genauso brauchen
Viele glauben, Fantasie sei etwas für Kinder.
Ich glaube das Gegenteil.
Vielleicht brauchen wir Erwachsene sie sogar noch viel mehr.
Selbst Jesus sagte: "Werdet wie die Kinder" sicher nicht ohne Grund.
Die Fantasie die wir als Kinder hatten hilft uns, den Alltag leichter zu nehmen. Sie lässt uns Dinge entdecken, an denen wir sonst achtlos vorbeigehen würden. Sie erinnert uns daran, dass wir nicht jeden Tag perfekt funktionieren müssen.
Ein Schuhwichtel ist deshalb kein Spielzeug.
Er ist auch kein klassischer Glücksbringer.
Er ist vielmehr eine kleine Erinnerung daran, sich selbst nicht zu verlieren.
Jeder Schuh erzählt eine Geschichte
Tausende Menschen tragen vielleicht genau dasselbe Schuhmodell.
Doch in dem Moment, in dem ein Schuhwichtel am Schnürsenkel sitzt, wird daraus dein Schuh.
Nicht, weil er anders aussieht.
Sondern weil er deine Geschichte erzählt.
Vielleicht begleitet er dich auf Wanderungen.
Vielleicht auf einer Pilgerreise.
Vielleicht zur Arbeit.
Oder einfach jeden Morgen mit dem Hund durch den Wald.
Mit jedem Schritt sammelt er Erinnerungen.
Und irgendwann gehört er einfach dazu.

Schuhe gehen. Erinnerungen bleiben.
Irgendwann ist jedes Paar Schuhe einmal ausgetragen.
Die Sohlen sind abgelaufen, das Leder hat Falten bekommen und vielleicht wartet schon das nächste Paar.
Vielleicht zieht dann auch ein neuer Schuhwichtel mit den neuen Schuhen los.
Der alte aber verschwindet nicht.
Viele stellen ihn auf ein Regal, hängen ihn an einen Schlüssel oder bewahren ihn an einem besonderen Ort auf.
Denn jedes Mal, wenn man ihn später sieht, erinnert er an all die Wege, die man gemeinsam gegangen ist.
Es ist ein bisschen wie mit einem Lied.
Man hört die ersten Töne...und plötzlich ist man wieder genau in diesem einen Moment seines Lebens.
Vielleicht kann ein kleiner Schuhwichtel genau das auch.
Nicht Musik bewahren.
Sondern Erinnerungen.
Vielleicht wartet dein kleiner Begleiter schon auf dich
Jeder meiner Schuhwichtel entsteht aus einer magischen Baumperle und wird von Hand geschnitzt. Keiner gleicht dem anderen. Jeder trägt seinen eigenen Ausdruck und wartet darauf, gemeinsam mit seinem Menschen Erinnerungen zu sammeln.
Vielleicht begleitet er dich auf deiner nächsten Wanderung.
Vielleicht auf einer Pilgerreise.
Vielleicht einfach nur durch einen ganz normalen Montag.
Und vielleicht reicht irgendwann ein kurzer Blick auf deinen Schuh, um dich daran zu erinnern, dass das Kind von damals gar nicht verschwunden ist.
Es hat nur darauf gewartet, wieder entdeckt zu werden.
Also geh und adoptiere dir jetzt hier deinen kleinen Wegbegleiter - er freut sich schon auf dich!